Soforthilfe im Notfall

Tipps der Wildtierhilfe Bamberg - Forchheim

Wildtier in Not - was tun, wenn das Fundtier verletzt, unterkühlt, hilflos oder panisch ist?

Um das Überleben Ihres Findlings bestmöglich zu gewährleisten, halten Sie sich bitte an folgende Anweisungen:

 

1. Sie dürfen ein Wildtier an sich nehmen, um zu helfen, wenn es sichtbar verletzt oder krank oder offenkundig verwaist ist. Bei dem Jagdrecht unterliegenden Tieren müssen Sie allerdings den zuständigen Jagdpächter verständigen.

2.  Ein verlassenes, hilfloses Babytier oder ein verletztes Wildtier jeglichen Alters benötigt Ihr Einschreiten sofort. Bitte zögern  Sie nicht, sonst ist ein Hund / eine Katze / ein Greifvogel / Marder / Auto schneller. Sie müssen es unbedingt sofort an sich nehmen und sicher aufbewahren, bis wir das Kerlchen übernehmen können.

3. Bitte prüfen Sie, ob das Tier sichtbare Hautverletzungen oder Blutungen hat. Schwer verletzte Tiere müssen unverzüglich zum Tierarzt gebracht werden!

4. Bitte prüfen Sie die Körpertemperatur Ihres Findlings. Fühlt sich das Tier kälter als Ihre Hand an (kalt und klamm), so hat es Untertemperatur. Besonders bei Babytieren ohne oder ohne ausreichendes Gefieder oder Fell ist Nestwärme lebensnotwendig. Sie können die Nestwärme mit einer externen Wärmequelle wie z. B. einer Wärmflasche, einem erwärmten Kirschkernkissen, einer aufgewärmten Snuggle Safe - Wärmeplatte oder einer Infrarotlampe imitieren. Bitte aber darauf achten, dass es nur kuschlig warm ist, es darf keinesfalls zu heiß werden. Wenn Sie keine Wärmequelle zur Verfügung haben, wärmen sie das Tier beständig mit Ihren Händen. Es ist nicht ausreichend, das Tier in ein Tuch oder Watte zu packen, da diese lediglich Raumtemperatur haben. Die Wärmequelle muss zwingend eine Heizfunktion haben. Bei starker Auskühlung muss die Wärmequelle (Infrarotlampe, Wärmflasche, Snuggle Safe, Kirschkernkissen aus der Mikrowelle) zunächst Wärme in Höhe von ca. 38 - 40 Grad Celsius in der unmittelbaren Umgebung des Tieres abgeben, nach den ersten 20 Minuten dann ca. 35 Grad und wenn normale Eigentemperatur des Tieres erreicht, ist, auf ca. 35 - 32 Grad Celsius bei nackten oder fast nackten Babys oder extrem geschwächten adulten Tieren absenken, für wieder aktiv und fit erscheinende Tiere, völlig mit Fell oder Federn versehene Tiere reichen auch 28 Grad Wärme oder mit zunehmender Genesung auch Zimmertemperatur. Das ist bei Tüchern oder Watte nicht der Fall. Überhaupt ist Watte wegen der langen Fasern nicht als Nistmaterial geeignet. Die Fäden können die Beinchen abschnüren. Bitte checken Sie bei hohen Anfangstemperaturen regelmäßig alle fünf Minuten, dass es Ihrem Pflegling nicht zu heiß wird. Zu große Hitze führt zu Kreislaufversagen und zum Tode. Das richtige Maß lässt sich nur durch ständige Kontrolle und Beobachtung des Tieres ermitteln.

Fühlt sich das Tier sehr heiß an, weil es stundenlang hilflos in der Sommersonne lag, ist ein Verbringen in den kühlen Schatten unerlässlich. Versuchen Sie im Fall einer Überhitzung oder Austrocknung, mit einer Pipette etwas Wasser (wenn vorhanden mit ein wenig aufgelöstem Traubenzucker darin) an den Schnabelrand / die Lefzen zu tropfen.

Folgendes gilt sowohl bei schwachem Kreislauf durch Unterkühlung als auch bei Hitzschlag: Keinesfalls Flüssigkeit gewaltsam einflößen! Erstickungsgefahr! Prüfen Sie den Zustand des Findlings und die Körpertemperatur mehrmals im Abstand von wenigen Minuten. Gehen Sie dabei ruhig vor, um das Tier nicht noch mehr zu verunsichern. Stark dehydrierte Tiere benötigen vom Tierarzt schnellstmöglich eine Infusion.

Bei unterkühlten Tieren ist es jedoch unerlässlich, vor der Verabreichung einer Infusion die Körpertemperatur erst durch eine externe Wärmequelle zu erhöhen. Bedenken Sie, eine Infusionslösung wird bei Zimmertemperatur (nur ca. 20 Grad) aufbewahrt und kühlt deshalb noch mehr. Das Tier würde dann wegen Unterschreitens der kritischen Temperaturgrenze (Kerntemperatur) an Kreislaufversagen versterben. Sinnvoll ist es in solchen Fällen, schnellstmöglich die Infusionslösung durch ein Wärmebad auf Körpertemperatur zu bringen.

5. Vorübergehende Aufbewahrung: Vögel und auch kleine Säugetiere packen Sie am besten in einen ausreichend großen Karton mit mehreren Luftlöchern und einer weichen Unterlage (plus Wärmequelle nach Bedarf). Die Unterlage darf aber nicht so beschaffen sein, dass sich das Tier in Gewebeschlingen verheddern kann. Am besten sind Zewa-Papierküchentücher geeignet. Bei unterkühlten Tieren ist es nötig, eine Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen mit den den Karton zu legen.

6. Nach den Soforthilfemaßnahmen rufen Sie eine Pflegestelle für Wildtiere in Ihrer Nähe an, bzw. schwer verletzte Tiere bringen Sie bitte sofort zu einem Tierarzt. Bitte beachten Sie, dass viele Tierärzte von dauerhafter Behinderung bedrohte Wildtiere oder Tauben meist einschläfern. Erkundigen Sie sich daher schon vor der Abgabe telefonisch, ob der Tierarzt auch behinderten Wildtieren eine Chance gibt. Wir arbeiten mit Auffangstationen für behinderte Wildtiere zusammen und geben den Tieren dort ein behindertengerechtes, lebenswertes Leben. Auf  Wunsch können wir Ihnen einen wildtierkundigen Tierarzt unseres Vertrauens nennen.

ACHTUNG! BITTE VERFÜTTERN SIE NIEMALS REGENWÜRMER AN EINE VOGELART, DIE SIE NICHT SICHER BESTIMMEN KÖNNEN! DIE MEISTEN VOGELARTEN STERBEN NACH REGENWURMVERZEHR! LEDIGLICH JUNGE AMSELN UND DROSSELN KÖNNEN REGENWÜRMER VERDAUEN! FANGEN SIE LIEBER FLIEGEN ODER BESORGEN SIE BEI IHREM ÖRTLICHEN ZOOGESCHÄFT ODER OBI MEHLWÜRMER (VOR DEM VERFÜTTERN TÖTEN) ODER NESTLINGSFUTTER! BITTE VERFÜTTERN SIE AUCH KEINESFALLS EINFACH AUF GUT GLÜCK HAFERFLOCKEN AN INSEKTENFRESSER ODER GEBEN SIE BITTE NIEMALS WELLENSITTICH-HIRSE BABYVÖGELN ZU FRESSEN. EGAL, WELCHE ART, HARTE KÖRNER MIT SCHALE KANN KEIN BABYVOGEL VERDAUEN! BEI FALSCH GEFÜTTERTEN VÖGELN MUSS DER KROPF SO SCHNELL ALS MÖGLICH VOM TIERARZT ENTLEERT WERDEN. BEI SÄUGETIEREN MÜSSEN SIE UNBEDINGT BEACHTEN, DASS KUHMILCH (AUCH KONDENSMILCH UND SAHNE) ALS AUFZUCHTNAHRUNG NICHT GEEIGNET SIND. BITTE INFORMIEREN SIE SICH BEI FACHLEUTEN ÜBER GEEIGNETE AUFZUCHTNAHRUNG. WIR SELBST FÜTTERN KLEINEN SÄUGETIEREN NUR NOCH DIE ALMAPHARM ASTORIN KÄTZCHENMILCH MIT IMMUNGLOBULINEN. WIR SIND VON DIESER MILCH BEGEISTERT UND HATTEN DAMIT NOCH BEI KEINER (SÄUGE-)TIERART PROBLEME MIT DEM VERDAUUNGSTRAKT (DURCHFALL. VERSTOPFUNG).

7. Bringservice? Wir haben während des Sommerhalbjahres alle Hände voll zu tun. Es ist eine große Hilfe, wenn Sie das Tier bringen können. Für Sie ist es diese eine Fahrt, und wir erhalten mehrere Hilferufe pro Tag. Einige der Damen haben kein Auto, andere sind berufstätig. Aber selbst die, welche Hausfrauen sind, haben zum Teil sehr betreuungsintensive Babytiere, so dass sie wegen der regelmäßigen Fütterungen nicht längere Zeit von zuhause weg gehen können. Wenn Finder nicht bereit sind, die Tiere zu uns zu bringen, müssen wir erst jemanden organisieren, der das Tier abholen kann. So geht wertvolle Zeit verloren, die für die Lebensrettung von Bedeutung sein kann.

8. Bis zur Abgabe bei uns oder beim Tierarzt gönnen Sie einem verletzten oder verängstigten Tier nach der Notversorgung und Stabilisierung während des Transports bitte unbedingt seine Ruhe. Ständig anschauen und anfassen ist kontraproduktiv, im Extremfall stirbt Ihnen das Wildtier an einem Schock. Es sieht Sie als Feind, nicht als Retter in der Not.

9. Haben Sie bitte Verständnis, dass wir schwer kranke und schwer verletzte Tiere, soweit Sie sie nicht schon selbst einem Tierarzt vorgestellt haben, unverzüglich zum Tierarzt bringen müssen.

10. Bitte behalten Sie nicht Tiere, mit denen Sie sich nicht genügend auskennen, nur weil das Tier niedlich aussieht oder die Kinder sich ja so freuen. Mehrfach hatten wir in den letzten Jahren Fälle, in denen sich die Finder erst dann bei uns meldeten, als die Tiere schon irreparable Schäden durch Unter- oder Falschversorgung hatten. In diesen Fällen hatten die Kinder der Finder die Vögelchen oder Häschen so nett gefunden, dass sie sie behalten wollten. Einige der betreffenden Vögel waren jedoch schon so verhungert und konnten selbst keine Nahrung mehr aufnehmen noch eingegebenen Futterbrei schlucken, bzw. hatten einige sogar noch Verletzungen durch Greifvogelangriffe und damit einhergehend vermutlich eine Blutvergiftung durch Bakterien, so dass diese Tiere aufgrund der zu lange hinausgezögerten fachkundigen Versorgung schließlich verstarben. Auch falsch ernährte Feldhasenbabys haben kaum eine Chance, durchzukommen. Daher bitte vernünftig sein und die Tiere unverzüglich in sachkundige Pflegestellen geben!!!

 

Transport eines Spechts mit Schädel-Hirn-Trauma nach Scheibenaufprall: