Allein im dunklen Wald

 

Am 31.03.2015 um 07.51 Uhr alarmierte mich die Polizei Bamberg-Land wegen eines Kaninchen-Notfalls bei Geisfeld. Ein Herr hatte beim morgendlichen Hundespaziergang einen vom Sturmregen völlig zerweichten Karton mit zwei Kaninchen darin entdeckt. Fundort war ein Waldstück in der Nähe von Geisfeld. Da er kein Transportbehältnis bei sich hatte und der Karton nicht mehr reißfest war, konnte er die Tiere nicht selbst bergen.

So rief er denn die Polizei und diese wiederum uns.

Trotz morgendlichem Stress mit Babytieren und obwohl ich zur Arbeit musste, rückte ich wieder mal aus, um zu retten, was zu retten ist.

Leider hatte der Karton bereits ein Loch, so dass nicht ausgeschlossen ist, dass sich eigentlich noch mehr Kaninchen im Karton befunden hatten, zumal die noch vorhandenen Tiere eine Kaninchenmama mit ihrem Kind waren. Da Häsinnen selten nur ein Kind zur Welt bringen, ist zu befürchten, dass die übrigen Kinder im Wald verschollen gingen - kaum eine Überlebenschance angesichts Fuchs und Marder oder freilaufenden Haushunden.

Die beiden waren total verstört, aber noch gesund, und sichtlich erleichtert, dass jemand sie in eine ordentliche, trockene Box verfrachtete. Arme Kerle. Wie Menschen nur so etwas fertig bringen können... Nicht mal im Tierheim wollten sie die Tiere abgeben, was doch das Mindeste gewesen wäre, was man von den Eigentümern hätte erwarten können. Null Verantwortungsbewusstsein. Ich war wieder mal geschockt. Ich bat den Finder und seine dazu gekommene Frau, doch bitte weiterhin bei den nächsten Spaziergängen mit dem Hund die Augen offen zu halten, um evtl. noch herum streifende weitere Kaninchenkinder noch rechtzeitig zu finden. Sie versprachen, dies zu tun.

Mama und Tochter hatten Glück.  Hier ein Schnappschuss direkt nach der Rettung, noch im Auto fotografiert:

 

Beide werden bei uns nun erst mal aufgepäppelt und erhalten dann entweder ein neues Zuhause bei einer von uns oder werden an kaninchenliebende Menschen mit schönem fuchs- und mardersicheren Gehege abgegeben. Wir sind jedenfalls froh, dass der Finder nicht achtlos an dem Karton vorbei ging.

Er konnte uns noch mitteilen, dass beim abendlichen Hundespaziergang am Tag zuvor gegen 19 Uhr der Karton noch nicht dort gewesen sei. Der Karton müsste also über Nacht im Schutze der Dunkelheit heimlich dort deponiert und dann bei Sturmwind und Regen herzlos zurück gelassen worden sein.

Heimwärts verständigte ich noch die Polizeibeamtin von der erfolgreichen Rettungsaktion. Sie dankte vielmals für die schnelle Hilfe. Ich bat sie, meine Kollegin Moni zu kontaktieren, falls tagsüber noch weitere Fundmeldungen von dort eingehen sollten, da ich mich nach der Rettungsaktion und Fortsetzung der Versorgung meiner eigenen Tiere schleunigst den Weg zur Arbeit antreten musste, da ich sowieso schon sehr spät dran war...

Und wieder mal ein Tag, der mit Rennerei beginnt. Nicht der erste und auch nicht der Letzte, soviel immerhin ist gewiss.   wink

Im sturmgebeutelten Kangoo düste ich dann weiter Richtung Forchheim, wo sich meine Kollegen sicher schon wunderten, wo ihre Frau Wicht denn wohl wieder mal verschollen gegangen sein mochte...

 

 

Susanne Wicht

 

Nachtrag:

 

Flocke und Flöckchen wurden nothalber erst mal in einem handelsüblichen Kaninchenkäfig untergebracht und waren sichtlich erleichtert. Sie sollen ein großes Innengehege bekommen, für das wir aktuell noch Sponsoren suchen und hoffentlich auch finden.

 


Am Wochenende nach der Rettung wurde ein neues Freigehege für die beiden mit 2 qm auf der überdachten Veranda unserer Blockhütte aufgebaut. Im Sonnenschein genossen die beiden die frische Luft. Leider fand sich wieder mal niemand bereit, uns mit einer Spende für das Freigehege zu unterstützen. Alles muss von uns privat finanziert werden. Wir sind es ja gewohnt, dass die meisten Leute für Wildtiere nichts ausgeben wollen, aber auch für ausgesetzte Heimtiere ist die Spendenbereitschaft gleich null. Selbst mit zwei im Wald bei Sturm und Regen ausgesetzten Kaninchen hatte niemand Mitleid, obwohl wir sogar auf facebook um Spenden für das Gehege gebeten haben.