Der geheimnisvolle Enten-Schwund

oder: Wie gerettete Enten-Kinder spurlos verschwanden...

 

In den Tagen nach dem Tode meines schwerpflegebedürftigen Vaters ließen die Notrufe nicht auf sich warten. Obwohl ich und der Rest der Familie nach der schwierigen Zeit gerne erst mal etwas Erholung für Körper und Seele gehabt hätten, gerieten natürlich weiter Tiere ungeachtet unserer privaten Situation in Notlagen und bedurften der Rettung. Sie konnten ja nichts für das Schicksal der Menschen und so rückte ich weiterhin für jeden Notfall aus.

Am zweiten November-Samstag 2014 meldete sich eine uns bereits von früheren Notrufen her bekannte Dame, die im  Hain schon mehrere kranke oder verletzte Tiere entdeckt und uns Mitteilung gemacht  hatte.

Seit dem Vortag, also Freitag, seien zehn frisch geschlüpfte Entenbabys auf dem Entenweiher im Hain unterwegs gewesen. Unglücklicherweise seien sie in das Überlaufbecken am hinteren Ende des künstlich angelegten Weihers gestürzt und kämen dort nicht wieder heraus. Moni Füllgraf war entsetzt: Schon seit dem Vortag! Sie rief mich sofort an, wo ich denn gerade sei, es läge ein dringlicher Notfall vor. Nicht  zum ersten Mal ließ ich alles stehen und liegen und düste im Tierrettungsfahrzeug eiligst Richtung Moni und dann mit ihr Richtung Hain...

Wir fanden die Küken auch, hübsche gelbe waren es, und ein dunkles war ebenfalls dabei, aber keine zehn mehr wie beschrieben, sondern nur noch acht.

Es gelang uns, mit zwei Keschern die winzigen Entenküken aus dem Überlaufbecken herauszufischen.

Den Abfluss verbarrikadierten wir mit Ästen, von denen wir hofften, dass sie ein neuerliches Abstürzen verhindern würden.

 

Während wir noch Äste herbei trugen, machten sich die Kinder von Spaziergängern an unserer Transportbox zu schaffen... Jetzt hieß es erst mal, die Flaumküken vor unbefugten Zugriffen zu schützen.

Wir erklärten der Familie Sinn und Zweck unserer Rettungsaktion und ließen die Küken auf dem Entenweiher wieder frei, wo sie sofort zu ihrer Stockenten-Mama schwammen - die Familie war wieder glücklich vereint.

So zogen wir wieder von dannen, und baten noch eine  Spaziergängerin mit Hund, sie möge doch bitte täglich auf die Küken sehen, da es für so kleine Küken schon spät im Jahr war und wir sicher gehen wollten, dass keines Schaden nehmen würde. Sie versprach, uns im Bedarfsfall zu kontaktieren.

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Am Montag darauf rief mich die Finderin ganz aufgeregt an. Bereits seit dem Samstag Nachmittag seien alle Entenkinder spurlos verschwunden. Jeden Tag hätten sie und ihre Freundin nach den Kleinen Ausschau gehalten - ob wir sie denn zur Aufzucht  mitgenommen hätten?

Ich erklärte, dass wir die Küken bei der Mutter gelassen hatten. Uns und der Finderin stellt sich nun die Frage: Wer hat die Küken nach unserem Rückmarsch zum Auto vom Weiher weg gefangen?

Wir haben leider nicht die Zeit für dedektivische Aktivitäten, für die Meldung von gemachten Beobachtungen sind wir deshalb sehr dankbar.

Wir hoffen, die Tierchen tauchen unversehrt wieder auf....

 

 

Susanne Wicht