Familienrettung - eine vogelliebende Familie rettet eine Entenfamilie

 

Jedes Jahr brütet eine Entenmama unglücklicherweise in den kleinen Blumenbeeten oberhalb des Restaurant Café Zeis am Obstmarkt in Bamberg. Mit ihren frisch geschlüpften Babyentchen marschiert sie dann die paar Schritte hinunter zu dem kleinen künstlich angelegten Springbrunnenteich gegenüber des Restaurant Cafés Zeis - nicht ahnend, dass das künstliche Betonbecken mit der darüber angebrachten Steinquader-Fassung eine Todesfalle für ihre Babys darstellt. Die Kleinen können die riesigen Stufen nicht überwinden.

So schwimmen dann die Kleinen bis zur Erschöpfung in dem künstlichen Gewässer zwischen den Springbrunnenfontänen herum, ohne Nahrung und Aussicht auf Rettung. Passanten und Besucher des Restaurant Café Zeis sind sich der Gefahr für die Entchen gar nicht bewusst.

Eine junge hübsche Dame aber erkannte die lebensgefährliche Situation. Zusammen mit ihrem Freund rettet sie seit 3 Jahren die Entenbabys vor dem Ertrinken durch Erschöpfung. Mit Kescher und Fahrradkorb wurden die Babys 2012 und 2013 schon gerettet. Heuer aber reichte der kleine Fischkescher nicht, der Stiel war zu kurz, um die Entchen in der Beckenmitte zu erreichen.

Da die junge Dame die Nichte des Ehegatten unserer Kleinvogelpflegerin ist und sozusagen zur Wildtierhilfe-Familie gehört, wusste sie natürlich durch unsere Moni, dass wir im Tierrettungsfahrzeug einen Großfischkescher an Bord haben,  und an wen sie sich in der Notlage wenden kann. Sie bat eine nette und besorgte Passantin, doch meine Nummer im Internet zu suchen und mich anzurufen, was die hilfsbereite und freundliche Dame auch tat. Ich war bereits zu einem anderen Tiernotfall unterwegs, als mich ihr Anruf erreichte. Ein Mauersegler war in Not geraten, den ich bei Moni abgab, um mich gleich danach zum Obstmarkt zu begeben. Die jungen Leute liehen sich unseren großen Fox Rage Speedflow Kescher aus und es gelang dem Freund der Nichte nach einigem Warten und Probieren auch tatsächlich, die winzigen Babyenten damit aus dem Wasser zu holen. Danach packte er sie in das bereit gestellte Fahrradkörbchen.

Nun hieß es, die aufgeregt davon geflatterte Entenmama wieder mit den Kindern zusammen zu führen.

Die Entenmama wurde vom aufgeregten Gepiepse ihrer Kinder angelockt und kam herbei geflogen, und der junge Mann sprintete mit den Babys im Korb zum Wasser, gefolgt von der Entenmama. Leider drehte sie dreimal wieder ab, wohl durch Autos oder Passanten irritiert.

Schließlich checkte sie aber doch, was er vor hatte, oder erinnerte sich an die letzten Jahre, in denen er die Entenrettung auch schon gleichermaßen praktiziert hatte. Sie landete auf der Regnitz unterhalb des Obstmarkts in der Nähe des Kranen, und er konnte ihre Babys auf der Regnitz absetzen. Glücklich schwamm die kleine Entenfamilie davon.

 

 

Anscheinend, so dachte ich mir auf dem Heimweg, liegt die Vogelrettung quasi im Blut. Tierliebe sozusagen als Familienerbe. Hans und Moni können stolz auf ihre Nichte sein, denn es gibt nicht viele junge Menschen, die sich  die Gedanken und die Mühe machen, eine solche tierische Notlage überhaupt als solche zu erkennen und dann auch noch selbst zu handeln.

Ich für meinen Teil habe mich jedenfalls gefreut, die beiden jungen Leute kennen gelernt zu haben. Ich finde, ihr Einsatz für die kleinen Entenbabys in Not ist der Erwähnung wert.

Da die Situation aber jährlich wieder auftritt, hier meine dringende Bitte an die Stadtratsmitglieder Bambergs:

Der Brunnen am Obstmarkt hat keinen Ausstieg für ins Wasser gefallene Tiere. Das Wasserbassin wird so zur Todesfalle. Das muss wirklich nicht sein. Bitte versetzen Sie sich in die Lage unserer Mitgeschöpfe. Sie haben es nicht verdient, zu leiden. Auch die Stadtväter selbst würden sicher nicht gerne elend ertrinken wollen, und die kleinen Entenküken wollen es ebenso wenig. Beklagenswerterweise brüten Entenmütter heutzutage an vielen sehr ungünstigen Orten, doch auch daran trägt der Mensch Schuld, da er ihnen den Lebensraum nimmt und alles für sich beansprucht. Die arglosen und menschenfreundlichen Entchen wählen infolge dessen dann die gefährlichsten und ungeeignetsten Stellen für den Nestbau: Sei es im Blumenbeet über dem Obstmarkt-Brunnen, sei es auf Dachterassen, von denen die geschlüpften Babys dann in den Tod stürzen, oder noch viele andere gänzlichst ungeeignete Orte wie kahle Hinterhöfe oder Pflanzkübel an Straßenrändern.

Ich bitte daher die Stadtratsmitglieder Bambergs ganz inständig darum, sich der Gefahrensituation für die kleinen Babyenten bewusst zu werden und baldmöglichst Abhilfe in Form einer langen Rampe mit geringer Steigung zu schaffen, die einen gefahrlosen Ausstieg aus dem Wasserbassin ermöglicht.

 

Susanne Wicht am 19.06.2014

 

Nachtrag vom 06.07.2014:

Stadt Bamberg hilft den Babyenten, den Brunnen am Obstmarkt verlassen zu können!

 

Am Freitag, den 04.07.2014 rief mich am Abend erneut unser Enten-Retter an und teilte mit, dass im Brunnen am Obstmarkt wieder kleine Baby-Enten schwimmen. Schon rückte ich mit dem großen FoxRage-Kescher an. Die Kellerin des Restaurant Café Zeis teilte uns mit, dass die Stadtverwaltung bereits zwei neue, niedrige Stufen zum Verlassen des Brunnen-Betonbeckens angebracht hatte, die wir dann auch in Augenschein nahmen.

Wie unser Entenfreund im Verlauf des Abends beobachten konnte, schaffen es die Entenbabys, diese Stufen hüpfend zu überwinden. Er konnte die Entenmutter und die Küken mit unserem Kescher zum Regnitzufer lotsen, wo sie dann zu Wasser gingen und davon paddelten.

Wir danken ganz herzlich Stadtrat Wolfgang Grader für die rasche Informationsweitergabe an die Stadt und für seinen hilfreichen Einsatz für Enten in Not, und auch der Stadtverwaltung für die schnelle Reaktion und das Anbringen der niedrigen Steinstufen am Beckenrand.