Hilfe, mein Hund stirbt!

 

Am Sonntag vor dem Rosenmontag 2015 erreichte mich um ca. 0.30 Uhr ein Anruf einer Forchheimerin.

Sie sei gerade von einer Faschingsfeier heim gekommen und nun liege ihr Hund daheim im Sterben. Etwas irritiert fragte ich, von wem sie denn unsere Telefonnummer erhalten habe. Sie erklärte, sie habe die Forchheimer Polizei um Hilfe gebeten.

Diese habe unsere Nummer weiter gegeben.

Nun ist es schon so, dass wir in Ausnahmefällen im Auftrag der Polizei zu Wildtiernotfällen fahren, und auch mal zu Heimtier-Verkehrsunfällen, wenn der Eigentümer auf die Schnelle nicht zu ermitteln ist, um das Tier noch lebend zum Tierarzt bringen zu können. Doch unsere eigentliche Zuständigkeit sind die Wildtiere und Tauben. Diese kosten vor allem mich, aber in gewissem Umfang auch meine Helferinnen, jedes Jahr ein wahres Vermögen an Futtermitteln, Tierarztkosten und Voliereneinstreu. Wir erhalten jedoch von keiner Stelle, weder Staat noch Kommunen noch von Vereinen irgendwelche Fördermittel. Angesichts dieser Situation auch noch für die Heimtiere fremder Personen Ausgaben zu tätigen ist uns schlichtweg nicht möglich.

Ich fragte daher die Dame, warum sie ihren Hund nicht selbst in eine Tierklinik mit Nachtnotdienst fahren würde, und erhielt die Antwort, sie habe bei der Faschingsfeier so viel Alkohol konsumiert, dass sie sich unmöglich mehr hinter ein Lenkrad setzen könne. Daher benötige sie jemanden, der sie fahren könne.

Wir tun immer, was wir können. Doch wir haben leider unsere zeitlichen und finanziellen Grenzen.

Es ist uns nicht möglich, für jeden privaten Bürger auszurücken und deren kranke Tiere zum Tierarzt zu fahren, zumal nachts und bei der Entfernung! Und einem sterbenden Hund können wir selbst auch nicht helfen, da ist ein Tierarzt unabdingbar!

Vor allem war mir nicht erklärlich, wieso der Hund urplötzlich so sterbenskrank geworden sein könnte. Mir liegt eher der Verdacht nahe, dass der Hund schon vor der Party krank war, man die Party aber nicht auslassen wollte und der Zustand des Hundes sich dann unerwartet verschlechterte.

Ich gab der Dame sowohl die Festnetznummer als auch die Notfallhandynummer der Tierklinik Bamberg, damit sie dort schnellstmöglich den Nacht-Notdienst erreichen könne, und teilte ihr auch mit, dass der Anrufbeantworter eines Forchheimer Tierarztes auf die Tierklinik in Nürnberg-Hafen verwies. Tierkliniken bieten einen 24h-Notdienst an und sind mit allen erdenklichen Medikamenten für Notfälle und Narkotika für ein schmerzfreies Einschläfern ausgerüstet.

Ich legte ihr nahe, den Hund so schnell als möglich mit dem Taxi nach Nürnberg oder Bamberg in eine Tierklinik zu bringen.

Ob die Eigentümerin dies getan hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Sie klang über den Vorschlag mit der Taxifahrt nicht allzu begeistert. Doch ich meine, wer das Geld für ein Besäufnis bei einer Faschingsfeier hat, der sollte auch noch genügend Geld für eine Taxifahrt haben, wenn sein Hund sterbenskrank ist...

Hier bleibt mir mal wieder nur das chronische Kopfschütteln...

Aus rechtlicher Sicht gilt noch zu bemerken, dass selbstverständlich der Hundehalter selbst dafür Sorge tragen muss, dass sein Tier rechtzeitig im Bedarfsfall zum Tierarzt kommt. Wir haben nicht nur unsere wirtschaftlichen Grenzen, sondern auch zeitliche. Denn die meisten von uns sind berufstätig und haben eigene Tiere plus die Wildtierpfleglinge zu versorgen. Das nimmt unsere Freizeit  bereits voll in Anspruch.

Aus diesen Gründen können wir leider nicht für Privatpersonen und deren eigene Heimtiere ausrücken, weder für Einfangaktionen noch für Tierarztbesuche. Uns bliebe sonst nicht mal genügend Geld für unsere eigenes Essen oder unsere eigenen Tiere, und wir kämen mit den eigenen Arbeiten nicht mehr nach. Wir müssen hier wirklich um Verständnis bitten, das ist für uns nicht machbar. Für ihre Heimtiere sind und bleiben stets die Eigentümer selbst verantwortlich.

Was vielen anscheinend auch nicht klar ist: Falls wir für Heimtiere anderer Leute ausrücken und diese zum Tierarzt transportieren, erhalten wir auch die Rechnung für die Behandlung dieses Tieres! Für den Tierarzt ist derjenige Zahlungsverpflichteter, der ihm das Tier mit dem Auftrag übergibt, medizinische Hilfe zu leisten!

Spätestens jetzt muss jedem Bürger klar werden, dass das von anderen Privatpersonen einfach nicht zu stemmen ist! Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir bei ähnlich gelagerten Heimtiernotfällen leider nicht mehr tun können, als Ihnen die Rufnummer der Notdienst-Tierarztpraxis zu geben. Kümmern müssen Sie sich um Ihr eigenes Tier selbst, denn dazu haben Sie sich bei der Anschaffung verpflichtet, und dieser Verpflichtung haben Sie auch aufgrund des Tierschutzgesetzes nachzukommen. Sind Sie hierzu nicht bereit, sollten Sie lieber in Erwägung ziehen, ihr Heimtier an jemand anders abzugeben, der bereit ist, im Notfall alles stehen und liegen zu lassen, um seinem Tier zu helfen, wenn es der Hilfe bedarf.

 

 

Susanne Wicht