Taubenmörder kam zu spät…

 

Oder: Wildtierhilfe Bamberg verhindert Mord an jungen Tauben

 

Ein stressiger warmer Wochentag. Manni hat schon mehrere Fahrten mit dem Tierrettungsfahrzeug hinter sich, da leuchtet plötzlich die Motorkontrollleuchte auf. Oh nein, das darf doch nicht wahr sein! Gerade erst seit zwei Wochen haben wir das neue Tierrettungsfahrzeug, und nun soll schon etwas kaputt sein? Manni fährt sofort in die Werkstatt, damit die Ursache überprüft werden kann.

Zeitgleich geht bei mir ein Notruf einer Nürnbergerin ein. Ihre Familie war einige Zeit verreist. In der Zeit der Abwesenheit hat sich ein Taubenpärchen ein Nest auf dem verlassenen Balkon gebaut und zieht dort nun seine beiden Jungen auf.

Wie niedlich, denken Sie? Schön, dass man das so aus der Nähe beobachten kann?

So denken nicht alle. Taubenhassende Nachbarn melden dies der Hausverwaltung, und als die Familie zurück kehrt,  findet sie ein Schreiben der Hausverwaltung im Briefkasten, dass sie morgen die Hausverwalter und eine Taubenabwehrfirma in ihrer Wohnung dulden müssen, damit diese die Tauben töten können.

Die Dreistigkeit mancher Wohnungsbaugesellschaften empört mich immer wieder. Seit wann setzt das Brüten von Vögeln auf einem Balkon die gesetzlich garantierte Unversehrtheit der Wohnung außer Kraft? Und weiß die Hausverwaltung überhaupt, dass von auf Balkonen brütenden Tauben keine Gesundheitsgefährdung für die Wohnungsinhaber oder die Wohnungsnachbarn ausgeht? Zumal überhaupt kein Anlass gegeben war, anzunehmen, dass die Tauben krank wären. Sie machten alle einen völlig munteren Eindruck und die Küken waren gut gediehen und putzmunter. Eher steckt sich ein Eigentümer bei seinem Hund oder Katze an, denn der Kontakt ist viel intensiver und direkt. Kein Hunde- oder Katzenliebhaber käme auf die Idee, sein Haustier bei Auftreten von Infektionskrankheiten zu töten. Der gute Halter ist besorgt um das Tier, geht zum Tierarzt und lässt es behandeln. Bei Tauben geht das übrigens auch!

Das Töten von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund ist gesetzlich verboten, so steht es im Tierschutzgesetz. Dieses gilt für Tauben ebenso wie für alle anderen Tiere.

Da wir aber nicht davon ausgehen konnten, dass die Hausverwaltung einsichtig und reuig ihre Entscheidung zurücknehmen würde, musste schnell gehandelt werden. Doch die örtlichen Tierschutzvereine konnten niemand entsenden, und Manni befand sich immer noch mit dem Tierrettungsfahrzeug in der Werkstatt, mein eigenes Auto ist derzeit defekt. In meiner Not fiel mir nur unsere Forchheimer Helferin Kerstin ein.

Sie war bereit, die Taubenbabys abzuholen. Die Kleinen ließen sich problemlos nehmen und in einen vorbereiteten Schuhkarton mit Luftlöchern verpacken. Und schon ging´s auf in ein neues, sicheres Leben.

Kerstin lieferte die Tauben bei mir ab und ich brachte sie anschließend zu Petra, unserer Entenmama, die auch jahrelange Aufzuchterfahrung mit Tauben hat. Die Finderin entfernte auf mein Anraten nach der Abholung das gesamte Nest, damit die Elterntiere nicht zurück kommen würden und putzte den Balkon blitzeblank, um der Hausverwaltung keinen Grund zur Beanstandung zu geben. Ich konnte mir eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. Das geschieht ihnen recht, dass sie umsonst ihre Zeit vergeuden!

Es tut mir sehr leid, dass wir die Taubenfamilie auseinander reißen mussten. Tauben hängen sehr aneinander. Die Mutter saß am folgenden Abend traurig auf der Balkonbrüstung und suchte ihre Kinder. Doch es blieb keine andere Wahl. Die gesunden, lieben kleinen Tiere wären nun schon tot.Ich wünschte, ich könnte den Taubeneltern irgendwie mitteilen, dass ihre Kinder vor einem grausamen Tod gerettet wurden und in Sicherheit sind. Es ist sehr bedauerlich, dass das nicht geht. Ich bat die Finderin, der Hausverwaltung von mir auszurichten, dass die Tötung von Tauben wegen Brütens auf dem Balkon einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bedeutet, der zur Anzeige gebracht wird. Sie berichtete mir hinterher, die Leute hätten sich nach diesen Worten einfach dumm gestellt.

Ich hoffe, sie werden sich nächstes Mal gut überlegen, ob sie zu so grausamen Methoden greifen. Man kann sich nur wünschen, dass auch andere Mieter sich solche Untaten nicht gefallen lassen, sondern sich rechtzeitig Hilfe suchen.

Mein großer Dank gilt Kerstin, die trotz schweren grippalen Infekts und nach einem langen Arbeitstag dennoch bereit war, die kleinen Nürnberger Balkontäubchen zu retten.

Zum Glück war auch die Fehlermeldung bei unserem Tierrettungsfahrzeug kein Horrorszenario. Die Lambdasonde muss ausgetauscht werden. Wir können noch ein bisschen damit herumfahren, bis sie geliefert wird. Welch ein Glück, denn der nächste Notfall wurde uns von unserer Kleinvogelpflegerin Moni bereits auf dem Heimweg von Forchheim  gemeldet, von wo mich Manni abholen musste. Auch dem Frensdorfer Vögelchen konnte geholfen werden.

Ende gut, alles gut. Für diesen Tag zumindest…

 

 

Susanne Wicht