Wildtierhilfe Bamberg verhinderte Wohnungsbrand
 
Samstag, 30.11.2013: Um 17.05 Uhr klingelte mein Handy, als ich gerade beim Einkaufen war. Ich habe das Nokia C 5, welches gespeicherte Rufnummern erkennt. Und so posaunte die monotone männliche Ansage-Stimme im Laden herum: POLIZEI BAMBERG-STADT, POLIZEI BAMBERG-STADT! Alles blickte verstohlen in meine Richtung. Für Geheimagenten ist das Handy offenkundig nicht geeignet.   ;-)
 
Am Telefon war ein junger Beamter, der meldete, es gäbe einen tierischen Notfall, eine Katze sei seit drei Tagen in der Wohnung eines Alleinstehenden ohne Versorgung zurück geblieben. Die Nachbarin des Wohnungsinhabers, der ins Klinikum am Michaelsberg gebracht worden war, sei nicht erreichbar. Auch anderweitige Hilfe sei nicht aufzutreiben. Die Wildtierhilfe Bamberg ist eigentlich für Wildtiere und Tauben zuständig, aber in lebensbedrohlichen Situationen springen wir auch für Haus- und Nutztiere ein, wenn andere Helfer nicht erreichbar sind oder nicht schnell genug helfen können. Eine Katze, die bereits mehrere Tage ohne Futter und Wasser in einer Wohnung eingeschlossen ist, ist ein solcher Notfall. Ich sicherte dem Polizeibeamten unsere Hilfe zu. Dieser war offenkundig froh, Retter für das arme Tier gefunden zu haben.
 
Also schnell an der Kasse bezahlt und dann nichts wie ab ins Klinikum am Michaelsberg und die betreffende Station gesucht... gar nicht so einfach. Ein Wirrwarr von Fluren und Schildern. Man hat dort einen sogenannten Sinnesgang, einen langen Flur mit Wald-Fototapete, Vogelgezwitscher vom Band und diverse fühl- und tastbare Wandbeläge wie Teppich, Bruchstein, Mauerwerk. Das soll wohl die Sinne trainieren. Schließlich fand ich die Station. Der Katzeneigentümer war bereit, die vorbereitete Einverständniserklärung zum Betreten seiner Wohnung zu unterzeichnen und unterschrieb auch gleich mit, dass wir das Kätzchen in Pflege nehmen dürften. Ich erhielt von ihm den Schlüssel für die X-Straße  Hausnummer YY in Bamberg.
 
Unterwegs lud ich eine Transportbox und meine Kollegin Monika Füllgraf mit ein und wir düsten mit den Tierrettungsschildern am Auto zur besagten Straße. Oh, ein großes Mietshaus. Welche Wohnung ist die Richtige? Nicht an allen Türen waren Namensschilder angebracht, aber die Tür von Herrn XXX trug glücklicherweise eines. Seine Nachbarn von gegenüber wurden von uns noch heraus geklingelt, um uns vorzustellen und mitzuteilen, dass wir im  Auftrage der Polizei hier seien, um die Katze von Herrn XXX aus der Wohnung zu holen. Wir hatten uns vor dem Eintreffen bereits unsere Tierrettungs-Warnwesten angezogen, denn das wirkt immer amtlicher als ohne. Sie hatten keinerlei Bedenken, oder es war ihnen egal.
 
Die Tür zur Wohnung des Herrn XXX war nur ins Schloss gezogen, nicht abgesperrt. Ich öffnete und trat in die Dunkelheit der unbeleuchteten fremden Wohnung. Ein verstörtes Katzen-Maunzen erklang aus irgend einer finsteren Ecke. Im Flur suchten wir erst mal den Lichtschalter. Aus einem der Räume erklangen die Geräusche eines Fernsehapparates. Dieser lief wohl schon seit Tagen. Als wir der armen Mieze sowohl Wasser als auch Futter anbieten wollten (die Näpfe waren wohl schon vor Tagen leer geleckt worden), fiel uns auf, dass der E-Herd an war.
 
Augenblicklich wurde uns ganz mulmig zumute. Es war reines Glück, dass die Wohnung und das ganze Mietshaus noch nicht in Flammen aufgegangen waren. Wir zogen die Netzstecker von allen Elektrogeräten, die angeschaltet waren. Puh, Gefahr beseitigt! Wir atmeten auf.
 
Die Katze war noch etwas verstört und wollte gar nichts zu sich nehmen. Sie war aber sehr zahm und ließ sich, obwohl ich fremd für sie war, sofort hochnehmen und stiefelte auf Kommando freiwillig in die mitgebrachte Transportbox. Nun noch Lichter löschen, raus aus der Bude und Türe doppelt absperren.
 
Blieb noch der Anruf bei der Polizei, dass die Katze gerettet sei, und auch die Brandgefahr für ein ganzes Mietshaus gebannt. Der Beamte bedankte sich für unsere Hilfe. Auch der Station im Klinikum am Michaelsberg gaben wir sofort die Info weiter, damit sich der Eigentümer nicht länger um sein Kätzchen sorgen musste. Den Schlüssel des Herrn XXX brachte ich am selben Abend wieder zur Station zurück und hinterließ bei der Stationsschwester meine Telefonnummer, damit Herr XXX sich nach dem Befinden seiner Katze erkundigen könne. Minnie wird während der Zeit seines Klinikumaufenthalts kostenlos bei einer privaten Katzenfreundin wohnen. Ihr geht es zum Glück schon wieder gut.
 
Frau Füllgraf und ich telefonierten zu späterer Stunde nochmal wegen des aufregenden Einsatzes. Hätte uns die Polizei nicht beauftragt, der Katze in Not zu helfen, wäre in den folgenden Stunden oder Tagen wahrscheinlich ein Brand ausgebrochen. Nicht auszudenken, was bei all den Mietparteien nicht nur mit der armen Katze geschehen wäre...
 
Wir waren beide sehr froh, dass unsere Alarmierung durch die Polizei zu einem guten Ende für alle Beteiligten geführt hatte!
 
 
 
S. Wicht
 
Minnie, die gerettete Katze, döst auf dem Sofa ihrer Gastmutter:
 
 
"Betthäschen? Was heißt da Betthäschen? Auch wenn was zum Vernaschen in meinem Bett liegt, ich bin leider schon vergeben! Gute Nacht!"
 
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Nachtrag: Dieser Bericht wird in der Geschichte "Drei Weihnachtsengel für Manni" fortgesetzt.